Interview mit Michael Stockton (Teil 2/2)

Wir haben unsere Interviewserie am vergangenen Freitag mit dem ersten Teil des Interviews mit Kapitän Michael Stockton begonnen. Hier folgt nun der zweite Teil:

Das Interview mit Michael Stockton wurde am 19.02.2014 von Dave Hein von heinnews.com und Os Davis von BallinEurope im Rahmen derer Podcast-Reihe „Taking The Charge“ veröffentlicht.

Wir haben von Dave Hein freundlicherweise die Genehmigung zur Verwendung und Aufbereitung des Interviews für barock-pirates.de erhalten. Vielen Dank dafür!

Quelle: heinnews.com

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Das folgende Interview beginnt bei 1:16:55 des Podcasts



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Interview mit Michael Stockton (Teil 2/2)

Den 1. Teil verpasst?

(1:28:15)Ich möchte dich auch ein paar Dinge nach deinem Bruder David fragen:
Du verfolgst sicherlich auch seine Karriere an der Gonzaga University – wie schätzt Du aktuell seine Leistung ein und wo siehst Du ihn kommendes Jahr?

David hat eine großartige Karriere in Gonzaga hingelegt! Sie haben seit langer Zeit ein solides Programm und er hatte einen großen Anteil daran.
Und zu deiner Frage, wo ich David in Zukunft sehe: Ich sehe ihn professionellen Basketball spielen! Wo? Das kann ich nicht sagen, das hängt davon ab, wer zu diesem Zeitpunkt (…) [nach einem Spieler wie ihm] sucht.
David ist ein sehr guter Basketball-Spieler und jedes Team kann sich glücklich schätzen ihn in der Mannschaft zu haben und Gonzaga ist aktuell sehr zufrieden mit ihm! (…)

(1:29:15)Glaubst du, wir werden ihn hier in Deutschland spielen sehen?

Man kann nie wissen, aber wenn ihn ein deutsches Team haben möchte und er spielen will – wovon ich definitiv ausgehe – kann ich mir ihn als Spieler in Deutschland gut vorstellen.

(1:29:30)Um noch kurz bei Gonzaga zu bleiben: Es gibt dort einige ausländische Spieler: Karnovski, Pangos und Wiltjer.
Glaubst du, dass die internationale Einflüsse ihm in seiner Entwicklung weiter helfen? Du kennst ja selber den Unterschied zwischen College- und den europäischen Profi-Ligen.

Ich glaube nicht, dass es einen großen Einfluss hat. Die internationalen Spieler spielen dort auch in einer College-Mannschaft und müssen ihr Spiel auch an diese Liga anpassen.
Aber natürlich gibt es Dinge (…), die man im internationalen Basketball machen oder gerade nicht machen kann. Unter diesem Gesichtspunkt ist es natürlich klasse schon vor dem Wechsel darüber Bescheid zu wissen.
Ich erinnere mich noch daran, als ich mich gerade auf den Wechsel [nach Deutschland] vorbereitet habe und Spieler wie Elias Harris und Mathis Mönninghoff, die zu dieser Zeit in Gonzaga gespielt haben, mir hier und da Tipps gegeben haben, was ich in Deutschland zu erwarten habe.
Das hat mir sehr geholfen und ich glaube diese Jungs werden David in dieser Hinsicht auch helfen. Es gibt einfach Dinge, die man nicht lernen kann, außer ein Spieler, der diese Erfahrungen selber gemacht hat, erzählt sie einem.

(1:30:55)Deine Familie hat ja eine über vier Generationen reichende Verbindung zur Gonzaga University.
Ich frage mich, warum du Westminster College Gonzaga oder einer anderen Universität vorgezogen hast?

Das stimmt, unsere Familie hat eine enge Verbundenheit mit Gonzaga. Ganz klar, mein Urgroßvater und mein Dad und jetzt mein Bruder David!
Aber als ich damals an der Reihe war mein College auszusuchen, habe ich drei Sportarten an der Highschool gespielt und hatte seit der 8. Klasse, als wir in Salt Lake City wohnten, kein AAU-Basketball mehr gespielt.
Daher war ich sozusagen auf niemandes Radar – ich war auch nicht gut genug! Gonzaga war also nicht wirklich eine Option für mich.
Sie waren damals ein „Powerhouse“; sie hatten Jeremy Pargo, Matt Bouldin, Steven Grey – Jungs, die bereit waren auf diesem Level und darüber zu spielen. Ich war nichtmal annährend auf diesem Level.
Also habe ich mich andernorts umgeschaut und bei einem Besuch in Westminster haben mir Coach Tommy Connor und die Jungs das College schmackhaft gemacht und das Gefühl gegeben, dass Westminster die beste Option für mich ist.
Ich wollte kein „Red-Shirt“ sein und mich für drei Jahre demütigen zu lassen, um vielleicht eine Chance zu bekommen.
Ich wollte spielen und die Chance dazu habe ich in Westminster bekommen, auch wenn der Weg dahin entgegen der Meinung Vieler auf keinen Fall ein Spaziergang für mich war. Es war hart!

(1:32:35)Ich habe einen Artikel des Salt Lake City Tribune dem Jahr 2011 gefunden:
In diesem Artikel wird behauptet, dass der Grund, weshalb du an keiner bekannteren Universität oder College gespielt hast, der Tatsache geschuldet ist, dass du in deiner Highschool-Zeit drei Sportarten [(Basketball, Baseball und Football)] ausgeübt hast.
Glaubst du, das ist eine faire Beschreibung?

Ich glaube, das spielt definitiv eine Rolle, aber vielleicht ist das auch nur meine Einschätzung: Ich hätte von meinen Fähigkeiten her problemlos an einer „besseren“ Einrichtung spielen können, aber ich hatte nie die Zeit dafür.
(…)
Ich sage mir immer gerne: Ich habe eben drei Sportarten betrieben…

(1:33:45)In Ludwigsburg spielt nun auch Coby Karl, der aus einem ähnlichen Background stammt, was den bekannten Vater aus der NBA angeht.
Auch wenn er ein paar Jahre älter ist als du – verbindet euch dieser Background?

Irgendwie schon – aber lass mich vorweg eins sagen: Coby ist allgemein ein klasse Typ und hat sich super in unser Team integriert.
Als ein Spieler und ein Freund ist er ein guter Kerl und ich glaube so denkt hier jeder.
In Gesprächen können wir beiden immer mal wieder Dinge, die wir von unseren Vätern oder aus der Liga (NBA) aufgeschnappt haben einfließen lassen:
Zum Beispiel das Buch meines Dad’s: Coby hat es gelesen – ich hab‘ es gelesen. Wir zitieren es hin und wieder.
Und auch über seinen Vater sprechen wir von Zeit zu Zeit.
[Unser Background] ist zwar manchmal ein Thema, aber ich sitze nicht hier und denke „der Grund, dass ich Coby Karl mag ist die Verbindung zur NBA“.
Er ist ein klasse Kerl und deswegen sind wir Freunde geworden!

(1:35:10)Erzähl vom Pick and Roll und wie es hier in Deutschland in Spielen angewendet wird!

Ich finde die meisten Spiele hier in Deutschland laufen über Pick and Roll.
Jedes Team hat seine eigene Offensive- und Transition-Züge, aber wenn es ein knappes Spiel ist oder darum geht das Spiel zu drehen, läuft es meist auf ein High Pick and Roll mit dem passenden Spieler für den Job hinaus.
(…) Es ist die simpelste Taktik im Basketball, aber wenn sie gut ausgeführt wird, ist sie praktisch nicht zu stoppen – hoffentlich kommen wir zu dem Punkt, an dem WIR nicht zu stoppen sind und nicht der Gegner nicht zu stoppen ist.

(1:36:15)Glaubst du, dass sich daran etwas ändern wird? Dass sich eine andere Taktik etabliert und genutzt wird?

Das glaube ich wirklich nicht. Natürlich gibt es auch andere effektive Wege, die man gehen kann: Der Classic Post up mit den passenden Spielern ist genauso effektiv (…).
Am Ende des Tages kann man aber sagen, dass das Pick and Roll kann man als DEN Spielzug im Basketball betrachten. (…)

(1:36:50)Abgesehen von der Tatsache, dass du Linkshänder und dein Vater Rechtshänder ist, worin siehst du die Unterschiede zwischen deinem und dem Spiel deines Vaters?

Das ist eine schwierige Frage für mich! Egal wie gut ich zu spielen glaube – und ich weiß, dass ich nicht annährend so gut wie mein Dad spiele und es wahrscheinlich auch nie werde – schätze ich mich als zwar als guten Passgeber, aber er war eben der ultimative Passgeber.
Was jeder von ihm lernen kann ist, wie er den Mitspielern aus dem Pick and Roll den Ball zuspielte – das war sehr beeindruckend. Und das versuche ich zu verinnerlichen indem ich es immer und immer wieder anschaue.

(1:37:55)Um etwas wegzukommen vom Basketball: Du bist ja auf Twitter aktiv und deine Favoriten sind „History in Pictures“ und „Dumb & Dumber Quotes“ . Erzähl doch etwas davon!

Ich bin in Bezug auf Technik nicht unbedingt der fortschrittlichste Mensch: Ich habe immernoch ein Klapp-Handy und bin nicht wirklich auf dem Laufenden mit der Technik.
Aber als ich im Rookie-Jahr zu Weihnachten nach Hause gekommen, sagte mein älterer Bruder Houston, dass ich Twitter auch unbedingt nutzen soll und so hat er mir das alles eingerichtet, bevor ich zurück nach Deutschland gekommen bin.
Wie du gesagt hast, liebe ich die Muttcuts, die Dumb & Dumber Quotes und History in Pictures. Und das ist es eigentlich auch schon.
Hin uns wieder sehe ich etwas von meinen Freunden und retweete deren Post oder schreibe sie an (…) und ich lese die Spielergebnisse der NBA (…). Ich bin mit der Materie „twitter“ nicht so bewandert, aber das funktioniert für mich ganz gut.

(1:39:10)Wie verbringst du deine Zeit fernab des Courts und Training? Was machst du in deiner Freizeit?

Offen gesagt, hängt das manchmal vom jeweiligen Tag ab und ob die Sonne scheint oder nicht. Manchmal laufe ich in der Gegend herum, nur um zu laufen, Dinge zu sehen, Menschen zu treffen oder Mittag zu essen.
An anderen Tagen sitze ich in meiner Wohnung und spiele für ein paar Stunden Video-Spiele oder lese ein Buch. Das variiert wirklich von Tag zu Tag.
Und da kann ich dich nicht anlügen: An manchen Tagen bin ich wirklich richtig faul und spiele Video-Spiele – das kommt auch hin und wieder vor.

(1:39:53)Du warst für vier Jahre in Westminster und hast einige Jahre in Salt Lake City gelebt – wie sehr fehlen dir die Berge?

Die Berge vermisse ich tatsächlich ein bisschen – ich liebte diese Facette von Salt Lake City und war immer der Meinung, dass das das größte Plus der Stadt war: Alle Arten von Bergsport – sei es Ski, Snowboard oder Wandern – sind immer greifbar nahe.
Aber das ist nichts von dem ich sage: „Das muss ich haben – ich muss dringend da hin und Ski-Fahren“, denn eine der ungeschriebenen Regeln des Basketballs lautet eben: „Du darfst kein Ski mehr fahren“.

(1:40:38)Wenn ihr jetzt – 2014 – auf dem Court stehen würdet – wer würde den Eins-gegen-Eins Wettkampf in der Familie Stockton gewinnen?

Nunja, der passendere Weg, diese Frage im Stile der Stockton’s zu klären wäre ein harter Eins-gegen-Eins-gegen-Eins-Wettkampf

(1:41:07)Und wie würde das ausgehen?

Ich muss ehrlich gesagt sagen, das ich dabei den Titel beanspruchen würde.
Aber gleichzeitig muss ich sagen, dass das kein leichter Sieg werden würde: Wir würden mit dicken Lippen oder blauen Flecken aus dem Spiel kommen – es ist kein Kinderspiel gegen irgendjemand aus meiner Familie zu spielen!

(1:41:34)Dein Dad war ein paar mal in Deutschland um dich spielen zu sehen.
Was bedeutet dir das – nachdem du als Teil der großen Familie, ihn bei seinen Spielen unterstützt hast – er dich bei deinen Spielen unterstützt und den weiten Weg nach Deutschland macht?

Es bedeutet mir sehr viel, ihn einfach hier zu haben! Ich vermisse hier [in Deutschland] meine Familie schon gelegentlich – meine Mum, meinen Dad und natürlich meine Brüder und Schwestern.
Wenn sie hier sind, gibt mir das einen großen Energieschub – ich genieße es sehr, wenn sie mich hier besuchen kommen.

(1:42:15)Ihr habt momentan Kurs auf die Playoffs und man sagt, wenn man in den Playoffs ist, ist alles möglich. Was müsst ihr deiner Meinung nach tun um die Playoffs zu erreichen?

Umm, ich glaube dass es wichtig ist, sich vor Augen zu halten, dass es in jedem Spiel für 40 Minuten um das Erreichen der Playoffs geht und man keine zweite Chance darauf hat. Die Konkurrenz in der Liga ist groß und jeder kann jeden an einem Spieltag schlagen – das trifft vorallem auf die Liga hier in Deutschland zu!
Wir müssen auf jeden Gegner vorbereitet sein und die kompletten 40 Minuten abliefern – ich weiß, dass das nach Klischee kling, aber ich glaube wirklich, dass es darauf ankommt!

(1:43:17)Wie gesagt, warst du zwei Jahre in Karlsruhe und jetzt dein erstes Jahr in Ludwigsburg: Welche persönlichen Ziele hast du in Bezug auf den Basketball?

Mein Vater und ich haben uns darüber viel unterhalten – vorallem als ich aus dem College kam – aber auch jetzt immernoch:
Ich spiele Basketball weil es mir Spaß macht und ich will herausfinden, auf welchem Level ich spielen kann. Ich glaube ich bin ein guter Spieler und (…) ich wollte schon immer sehen, wie weit ich mein Spiel bringen kann – ich möchte auf dem für höchstmöglichen Level spielen.

(1:44:02)Ich weiß nicht, ob wir es hinbekommen, aber vielleicht können wir deine Twitter-Follower vermehren: Was ist dein Twitter-Name?

Das ist @MikeStock20!

(1:43:17)Michael Stockton – vielen Dank, dass du dabei warst; (…) viel Erfolg auf dem Weg in die Playoffs!

Vielen Dank David und Os!

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Das Interview mit Michael Stockton wurde am 19.02.2014 von Dave Hein von heinnews.com und Os Davis von BallinEurope im Rahmen derer Podcast-Reihe “Taking The Charge” veröffentlicht.

Quelle: heinnews.com

Wir haben von Dave Hein freundlicherweise die Genehmigung zur Verwendung und Aufbereitung des Interviews für barock-pirates.de erhalten. Vielen Dank dafür!